Die Made

von Heinz Erhardt  

Hinter eines Baumes Rinde

wohnt die Made mit dem Kinde.  

Sie ist Witwe, denn der Gatte,

den sie hatte, fiel vom Blatte,

diente so auf diese Weise

einer Ameise als Speise.  

Eines Morgens sprach die Made:

„Liebes Kind, ich sehe gerade:

Drüben gibt es frischen Kohl,

den ich hol, so leb denn wohl!

Halt noch eins: Denk, was geschah,

geh nicht aus, denk an Papa!“  

Also sprach sie und entwich. –

Made junior aber schlich

hinterdrein, und das war schlecht,

denn schon kam ein bunter Specht

und verschlang die kleine fade

Made ohne Gnade. Schade!  

 

Hinter eines Baumes Rinde ruft die Made nach dem Kinde…

Die Übezelle

 von Dorte Pflüger  

 Hinter einer Zelle Türe

widmet sie sich dem Klaviere.  

Sie hat Frust: spielt Bach und Haydn,

kann die beiden gar nicht leiden,

und übt so, aus diesem Grunde

nur ’ne Runde vor der Stunde.  

Letzens sprach ihr Lehrer traurig:

„Liebes Kind, was spielst du schaurig!

Wir kommen einfach nicht vom Fleck.

Das hat kein’n Zweck, Äh….ich muss weg!

Halt noch eins: Den Bach üb fleißig,

sonst Hauptfachprüfung erst mit 30.“  

Also sprach er und entwich. –

Als sie Richtung Zellen schlich,

zog es sie in die Caféte:

Nichts, was sie jetzt lieber täte!

Zeit für Kaffee muss im Leben

neben Bach es geben. Eben!   

Hinter einer Zelle Türe übt jetzt niemand am Klaviere…    

 

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