Kopf frei! – 10 Tipps für ein Elternsein mit ruhigem Geist

dortepflue

Gestern schickte mir ein dauergestresster Freund diesen lustigen Spruch:

Mein Hirn ist wie ein Internetbrowser: 12 Tabs geöffnet, 5 davon reagieren nicht, ein Gif läuft im Loop, und wo kommt diese verdammte Musik her?

Er schrieb das mit einem Augenzwinkern.

Es beschreibt aber einen Zustand, den viele von uns kennen und der für die meisten so normal geworden ist, dass er nicht weiter hinterfragt wird: Wir haben ein ständiges Völlegefühl im Kopf, die Gedanken kreiseln vor sich hin, „es denkt“ permanent in uns, und oft wissen wir gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn der Kopf frei ist.

Wir brüten über Problemen, wir machen uns Sorgen, hadern, ob wir etwas richtig oder falsch gemacht oder entschieden haben, hängen Denkschleife für Denkschleife in einer vorgestellt-erdachten Zukunft ab.

Und besonders populär und vielfach praktiziert: das unproduktive Grübeln.

  • Auf Dingen gedanklich herumkauen, die längst vorbei sind.
  • Gedanklich wie ein Kettenkarrussell um Fragen kreisen, für die es momentan einfach keine Antwort gibt.
  • Sich den Kopf zerbrechen über Themen, die uns gar nicht selbst betreffen.

Das menschliche Gehirn ist zu erstaunlichen Leistungen fähig. Tatsächlich ist es aber so, dass das unproduktive Grübeln, die ständige Hin- und Her-Denkerei und ein ständig unruhiger Geist verschiedene negative Folgen mit sich bringen, ganz allgemein und für dein Elternsein.

Folgen eines ständig unruhigen Geistes

Dass die Konzentrationsfäöhigkeit abnimmt, Produktivität schwindet und verschiedene Prozesse im Gehirn VERLANGSAMT werden, ist nur die eine Sache. Viel wichtiger ist aber zu wissen, dass sich hartnäckiges Kopfzerbrechen und chronisches Grübeln negativ auf die Lebenszufriedenheit und sogar die eigene Gesundheit auswirken können. Denn unser Alltagsgrübeln verursacht genauso viel Stress, wie die stressige Situationen selbst. Wir vermehren damit Stress in unserem Körper und in unserem Geist und durchleben Belastendes immer und immer wieder. Wenn wir uns an eine belastende Situation erinnern, zeigen sich sämtliche Symptome von akutem Stress (schneller Puls, Steigung des Blutdrucks, erhöhte Herzfrequenz etc.). Zu diesem Ergebnis kommen verschiedene Studien.

Ein Gehirn, das nicht ab und zu mal herunterfährt, führt zu einer chronisch erhöhten Konzentration des Stresshormons Cortisol. Dass das in der Langzeitperspektive alle möglichen weiteren gesundheitlichen Konsequenzen haben kann, ist mittlerweile den meisten Menschen bekannt.

 

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Folgen von „Nie den Kopf frei“ für dein Elternsein

Jetzt könnte man ja sagen, wie voll oder wie frei dein Kopf ist, wieviel Stress dir durch´s System wabert, das ist deine Privatsache. Ist es auch. Aber mal ganz abgesehen davon, dass die Grübel-Denk-Hirnüberreizungs-Endlosschleifen massiv deine eigene Gesundheit und Lebensqualität beeinträchtigen können, hat es auch verschiedene Auswirkungen auf dein Elternsein und für deine Kinder. Gut, wenn man´s weiß.

    Stress führt zu ungünstigem Elternverhalten

    Nicht ohne Grund wird der Kopf häufig mit einem Computer verglichen: Werden zu viele Programme gleichzeitig geöffnet, ist irgendwann der Arbeitsspeicher überlastet, die Lüftung springt hektisch an und versucht zu kühlen, im schlimmsten Fall stürzt der Rechner ab. Den Geist zu beruhigen, heißt also im übertragenen Sinn: unnötige Programme im Hirn schließen, um wieder Kapazitäten zu schaffen – oder eben um den Kopf wieder frei zu bekommen und klare Gedanken fassen zu können.

    Wir wissen aus der Stressforschung, dass chronischer Stress zu ungünstigem Elternverhalten führt (wer kennt sie nicht, diese Momente, wenn wir auf Autopilot schalten und Dinge tun oder sagen, von denen wir wissen, dass sie uns später leid tun werden). Gestresste Eltern neigen eher zu unwirschem, unfreundlichen, ungerechten und abwertenden Verhalten ihren Kindern gegenüber, an denen Sie den „Stau“ ausagieren. Wenn du das verhindern willst, solltest du radikal die Verantwortung für dein Stress-Level übernehmen, und dazu gehört in vorderster Linie: lernen, den Geist zu beruhigen!

    Deine totale Präesnz ist wichtig für die Bindung zu deinem Kind

    Die Qualität der Beziehung zu deinem Kind leidet, wenn du nicht lernst, deinen Geist zu beruhigen und den Kopf frei zu bekommen.

    • Ganz kleine Kinder brauchen die Erfahrung von „guten Gesichtern“, also von freundlichen, liebevollen, total präsenten Menschen, die ihnen mit ihrem Gesicht sehr nahe kommen. Das kannst du deinem Baby nicht geben, wenn deine Gedanken bei allem sind nur nicht bei diesem Zauberwesen auf dem Wickeltisch.
    • Im Lauf des ersten Lebensjahres lernen Kinder eine Verbindung zwischen sich, einer anderen Person und einem Gegenstand gleichzeitig herzustellen (Triangulierung). Dafür braucht es wieder die Erfahrung eines empathischen und total im Moment anwesenden Gegenübers. Now way im Grübel-Denk-Monkeymind-Modus.
    • Ältere Kinder brauchen die Erfahrung eines mit ungeteilter Aufmerksamkeit bei Ihnen weilenden anderen Wesens für die Entwicklung eines gesunden Selbstwerts. Wenn du beim Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte parallel darüber nachdenkst, wie du deinen Partner zum Tanzkurs überredest, dann spürt das Kind und macht auf einer unbewussten Ebene die Erfahrung von „ich-bin-nicht-wichtig“.
    • Durch die gesamte Kindheit hindurch gilt: Wenn dein Kind wieder und wieder die Erfahrung macht, dass du nur dem Anschein nach im Kontakt anwesend bist oder dass eure Begegnungen seelisch irgendwie „unbewohnt“ bleiben, wird es irgendwann die Versuche einstellen, zu dir durchzudringen – ja nach Alter frustriert, verzweifelt, erschöpft, traurig, in seinem Selbstwert verunsichert oder tief enttäuscht.
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    10 Tipps, wie du den Kopf frei bekommst

    Falls du jetzt denkst, ok, ok, ich hab´s verstanden, und ich WILL ja mein Hirn regelmäßig herunterfahren und ihm die Gelegenheit geben, sich zu erholen, aber WIE soll ich das denn machen:

    Hier kommen 10 Tipps. Fisch dir das heraus, was für dich passt und werde kreativ, deine eigene Kopf-frei-Strategie zu finden und zu entwickeln.

    1. Vom Kopf in den Körper

    Alles, was dich vom Kopf in den Körper bringt, hilft deinem Gehirn, den chronischen Grübelmodus zu verlassen.
    Tanze, mach Yoga, geh mal wieder OHNE SMARTPHONE joggen (das würde ja wieder stimulieren), nimm eine heiße Badewanne OHNE Musik, Fernsehen, Lesen, einfach nur wahrnehmend, wie dein Körper sich entspannt im warmen Wasser…

    2. Braindump

    Der Braindump ist eine Technik, um all die Gedanken, Probleme, Sorgen, Belastungen, Einfälle, kurz gesagt alles – von wertvoll bis zu totalem Unfug – aus dem Kopf herauszukriegen. Ohne irgendein Konzept: Hauptsache raus aus dem Kopf! Ist denkbar einfach: Du nimmst ein Blatt und einen Stift und schreibst einfach ALLES auf, was dir gerade durch´s Hirn wabert. Ich schreibe ja sehr viel, und ich habe einige Schreibroutinen aus dem kreativen und therapeuthischen Schreiben in meine Routinen integriert und kann die bestätigen: Sie haben einen immensen Effekt. Den Braindump liebe ich besonders. Mir geht oft sehr viel durch den Kopf, und ich muss sehr oft an sehr viele Projekte gleichzeitig denken. Bevor ich einen Artikel schreibe, mache ich z. B. immer einen Braindump, um den Kopf frei zu bekommen für meine Arbeit. Probier es mal aus. Du kannst dir ein Zeitlimit setzen oder solange schreiben, bis du leer bist.


    3. Einfache Achtsamkeitsübungen

    Eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis trägt unweigerlich dazu bei, deinen Geist zu beruhigen, denn es ist der Kern der Achtsamkeit, im gegenwärtigen Moment mit gesammelter Aufmerksamkeit ankommen zu können. Wenn du das ausprobieren willst, hol dir gern unser kostenloses Toolkit, das eine Atemmeditation und eine Selfcare-Meditation enthält.

    Grundsätzlich steigert es den Grad der Achtsamkeit und wirkt einer Überladung der Gehirnfunktionen entgegen, wenn du dich commitest, ein bisschen weniger Multi-Tasking zu praktizieren. Wie meine Oma Hanna immer sagte: EINE Sache zur Zeit. Ich weiß, dass das im Alltag mit Kindern nicht in Reinform umzusetzen ist, aber allein, den Fokus darauf zu lenken und ein bisschen Multi-Tasking-Fasten zu versuchen, kann schon ein Schritt in die richtige Richtung sein. Tee trinken und nur Tee trinken. Nicht nebenher YouTube schauen. Kind beim Anziehen helfen und nur Kind beim Anziehen helfen. So als gäbe es NICHTS anderes und nichts Wichtigeres auf der Welt. Was wenn du dich mit dieser ungeteilten Aufmerksamkeit deinen alltäglichen Tätigkeiten widmen könntest?

     

    4. Musik und Klang

    Die meisten Achtsamkeitsübungen fokussieren den Atem, aber es kann auch eine kraftvolle Übung sein, sich auf Klänge und Geräusche zu fokussieren. Einfach eine Weile in deinem Schlafzimmer oder auf dem Boden im Kinderzimmer sitzen, die Augen schließen und bewusst auf alle Geräusche achten, die du wahrnehmen kannst. Sich auf die Geräusche im Außen zu fokussieren, kann helfen, den Lärm im Inneren zu beruhigen.
    Das Eintauchen in Musik bringt viele Menschen SOFORT aus dem Kopf. Ich spiele Klavier und Cello und liebe es zu singen, und bevor ich Achtsamkeit und Meditation für mich entdeckte, war das eigene Musizieren für mich die einzige Möglichkeit, ganz bei mir anzukommen und meinen ewig schnatternden und immer aktiven Geist zu beruhigen. Ihm „zu entkommen“, wie ich es damals empfand. 

    Wenn die Menschen wüssten, wie sehr ihre Gedanken ihre Gesundheit beeinflussen, würden sie entweder weniger oder anders denken.

    5. Forrest-Bathing, das Meeer und generell Natur

    Ich finde es lustig, dass es einen „neuen Trend“ gibt: das Forrest Bathing. Im Wald spazieren gehen. Gar nicht so unheimlich neu. Um den Kopf frei zu bekommen natürlich ohne Kopfhörer auf den Ohren und mit der Bereitschaft, die Natur um sich herum wahrzunehmen.

    Ich fahre regelmäßig auf meine Lieblingsinsel und ab und an auch unter der Woche an die Ostsee, weil es meinen Geist SOFORT beruhigt, wenn ich am Strand stehe, auf das Meer schaue, die Bewegung der Wellen mit meiner Aufmerksamkeit verfolge und diese frische Luft in mich einströmen fühle.

    Was ist es bei dir?

    6. Deep Sleep – ein guter, tiefer Schlaf

    Ich weiß, ich weiß, für uns als Eltern ist das Thema „Schlaf“ oft ein neuralgischer Punkt, denn je kleiner unsere Kinder, desto häufiger werden wir in unserem natürlichen Schlafrhythmus gestört.

    Trotzdem möchte ich es hier nicht unerwähnt lassen, weil ich immer mal mitbekomme, wie chronisch Überaktive sich damit brüsten, dass sie nur 5 Stunden Schlaf brauchen.

    Schlaf. Ist. Wichtig.

    Alle Erfahrungen, die du so am Tage machst und die dir so durch´s Hirn zucken, werden nachts geordnet und „heruntergeladen“ in die Hirn-Areale, wo sie dann geordnet dem Erinnerungsvermögen zur Verfügung stehen. (Darum sind Menschen mit chronisch gestörten Schlafrhythmen auch vergesslicher.) Nachts aktiviert der Körper sämtliche Selbstheilungsprogramme, repariert Zellen, verarbeitet Eindrücke.

    Sorge, wo immer es dir möglich ist, für guten, tiefen und ausreichenden Schlaf!

    7. Der „Türsteher“ deines Geistes

    Lerne, dafür Verantwortung übernehmen, was du in dein Inneres „hineinlässt“ an Eindrücken und in welcher Frequenz. Wieviel Fernsehen, wieviel Social Media, wieviele Treffen und Kontakte, weiviele Konflikte, wieviele Gespräche usw. willst du deinem System zumuten?

    Klar, einige Sachen sind festgelegt durch Job, Kinder, Verpflichtungen. Aber die Freiheitsgrade sind größer als du denkst.

    Ich habe mir z.B. angewöhnt, eine Stunde, bevor ich ins Bett gehe, keine Bildschirme mehr zu nutzen, egal in welcher Form. Ich schlafe viel besser so und helfe meinem Geist, herunter zu fahren.

    Finde eine gute Balance. Vielleicht braucht es regelmäßiges „Medien-Fasten“? Vielleicht ist nach einer trubeligen Woche mit vielen Terminen mal eher ein Wochenende in Slo-Mo angesagt, um dem Geist die Gelegenheit zu geben, alles zu verarbeiten und zur Ruhe zu kommen? Werde kreativ und lerne, dein Inneres zu hüten wie einen Schatz und es nicht mit allem möglichen Zeug zumüllen zu lassen.

    8. Grübel-Zeiten mit sich selbst vereinbaren

    Gerade als Entgrübelungsanfänger kann es schwer sein, das geliebte Grübeln sein zu lassen. Da hilft ein ganz einfacher Trick: Vereinbare „Grübel-Zeiten“ mit dir selbst. Sag zu dir selbst: Okay, jetzt wird gegrübelt, was das Zeug hält, bis die Großhirnrinde qualmt, und zwar für 15 min. Und dann ist Ende der Grübelzeit, und ich stehe auf und tue dies und das. Das befriedigt vorübergehend die Grübellust, denn das Gehirn ist nicht sehr bereitwillig darin, lange praktizierte Gewohnheiten aufzugeben. 

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    9. Stille genießen lernen

    In unserer trubeligen Welt gibt es kaum Orte und Situationen, die natürlicherweise von Stille geprägt sind. Für mich ganz persönlich ist das manchmal ein echter Horror, denn ich bin ultra-geräuschempfindlich und brauche für meine seelische und körperliche Unversehrtheit regelmäßige Phasen absoluter Stille. Aber nicht nur für hochsensible und hochsensitive Menschen ist Stille ein Geschenk.

    • Stille hilft dem Geist, zur Ruhe zu kommen.
    • Sie trägt immens dazu bei, den Kopf frei zu bekommen.
    • In der Stille kann du dich selbst besser spüren und wahrnehmen, was du brauchst.

    Der von mir sehr geschätzte Mediziner und spirituelle Lehrer Deepak Chopra findet:

    It´s more important to have a quiet mind than to have a positive mind.

    Deepak Chopra

    Wo kannst du Momente der Stille in deinen Alltag integrieren, egal, wie der gerade aussieht? Eine Mahlzeit ohne Musik im Hintergrund, abends auch mal ohne Netflix & Co. und stattdessen in der Stille, 5 Minuten Achtsamkeit/Meditation morgens, bevor der Trubel des Tages Fahrt aufnimmt. Was fällt DIR ein, was DU umsetzen könntest?

    10. Spielen

    Hast du richtig gelesen? Ja, hast du. Es ist erwiesen, dass im Spiel ein besonderer Geisteszustand eingenommen wird, der dem oben beschrieben Grübeln einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht.

    Das funktioniert natürlich nur, wenn du dich vollherzig auf das Spielen einlässt und eben nicht mit deinen Gedanken woanders bist.

    Spiel mit deinen Kindern, als wäre es deine Berufung. Veranstalte Spiele-Abende mit Freunden, und die Smartphones bleiben in der Garderobe. Spiel Theater. Geh mit den Augen eines Kindes durch die Welt, das überall „Spielanlässe“ findet. Im Spiel findet der Mensch zu sich selbst. Und, um auch mal einen alten Griechen zu zitieren:

    Spiele, damit du ernst sein kannst! Das Spiel ist ein Ausruhen, und die Menschen bedürfen, da sie nicht immer tätig sein können, des Ausruhens.
    Anacharsis (um 600-550 v. Chr.), Philosoph

    Viel Freude beim Experimentieren und Ausprobieren.

    Hast du noch andere Tipps, wie man seinen Kopf frei bekommt? Dann teile sie doch gerne unter diesem Artikel als Kommentar, Es wäre mir eine Freude. Lass uns gerne einen Kommentar da.

    Von Herzen

    Dorte

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    "Familie ist im besten Fall der liebevolle Ort, an dem Kinder leise in die Welt hineinschwingen und frei einem eigenen Lebensentwurf entgegenleben können."

    Dorte Plfüger