Mehr Entspannung mit Kindern – 4 Tipps für einen entspannten Alltag
By dortepflue

Ich weiß, beim Thema Entspannung mit Kindern denkt man nicht automatisch an den Alltag. Ich zumindest habe dann eher Bilder von friedlichen Urlaubstagen im Kopf, am Strand oder sonst wo, jedenfalls laufen alle sowieso fröhlich und entspannt herum und das Leben ist ein Fest.

Der Alltag mit Kindern ist hingegen oft von oben bis unten vollgestopft mit einer endlosen Abfolge aus Wecken, Anziehen, Essen, Terminen, Spielen, wieder Essen, Einkaufen, noch mehr Termine, Spielen, Schlafanzug an und – endlich – wieder einschlafen. Wo ist da Zeit für Genuss? Ich hatte schon Tage, an denen ich froh war, dass mein Körper von allein ans Atmen denkt, sonst hätte ich das glatt vergessen und wäre noch vor dem Mittagessen erstickt.
Das Geschirr stapelt sich in der Spüle, es ist kein Brot mehr im Haus. Und gibt es noch ein sauberes T-Shirt für morgen, das nicht schon wieder zu klein ist? Und wann war jetzt der Arzttermin… was schenkt man dem Hans-Torben zum Kindergeburtstag? Bald ist irgendein Fest, da muss man was beisteuern… Elternabend war doch gerade erst, oder? Und mein Sport kommt schon wieder völlig zu kurz.

Aber wie sagt Dorte hier bei Mindfamunter „Schönen Worten“ so wunderbar: „Unser Alltag ist ihre Kindheit“. Das ist sehr wahr und damit haben wir Handlungsbedarf, Ihr Lieben! Entspannung mit Kindern kommt nicht von selbst, wie müssen etwas dafür tun – zumindest umdenken.

Es ist eine Tatsache, dass es immer etwas zu erledigen geben wird. Eine Freundin von mir leerte neulich die Handtasche ihrer gerade verstorbenen Großmutter aus. Sie fand darin eine Einkaufsliste und war insgeheim erstaunt darüber, dass ihre Großmutter auch am letzten Tag ihres Lebens noch etwas zu tun gehabt hatte. Sie machte sich bewusst, dass sie die Vorstellung hatte, dass man irgendwann… naja, einfach mal fertig ist. Alles ist abgearbeitet, die ganze Liste, und dann wird alles besser und es ist endlich Zeit für Genuss und Liebe und Entspannung und Spaß.

Leider ist das nur eine Vorstellung in unserem Kopf. Die Liste ist ehrlich gesagt endlos, denn wenn du ein aktives Leben hast, dann kommt immer wieder etwas Neues dazu. Das soll so sein. So funktioniert das Leben und der Trick ist, alles zum Alltag werden zu lassen, was du gerne fühlen möchtest und wie du dein Leben gerne hättest.

Wie das gehen kann, fragst du dich? Du musst mit Sicherheit deinen ganz persönlichen Weg zur Entspannung mit Kindern finden, aber es spricht ja nichts gegen ein paar kleine Anregungen in diesem Artikel:

Tipp 1: Entspannung mit Kindern beim Aufwachen
Alles steht und fällt mit einer guten Verbindung zu deinen Kindern – einer der besten Tipps gegen Stress. Wenn du abends mal wieder findest, dass du heute zu viel gemeckert und Hektik verbreitet hast, dann fang den nächsten Tag gleich anders an. Fang überhaupt gerne jeden Tag so an. Kannst du morgens etwas Zeit zum Kuscheln einplanen? Berührungen sind etwas Wunderbares, sie entspannen dich und dein Kind sofort, denn es wird dabei jede Menge schönes Oxytocin ausgeschüttet. Das Bindungshormon sorgt dann so nebenbei dafür, dass Ihr euch gut leiden könnt und eventuellen Stress vergesst. Berührungen sind wie ein Beziehungs-Neustart, setze das gerne bewusst und oft ein, auch und gerade für ältere Kinder.

Du kannst morgens dein Kind mit in dein Bett nehmen oder dich ins Kinderbett legen, egal, es geht um das gemeinsame Aufwachen. Das ist eine der besten Arten, um wieder auf einer tiefen Ebene Verbindung zu deinem Kind aufzubauen. Was ist entspannender als ein schlafendes Kind? Sollte dein Kind schon vor dir wach sein, ist es ein etwas aktiveres Aufwachen, vielleicht erzählt Ihr euch dabei etwas. Wenn du dein Kind aufweckst, kannst du diese Minuten, bevor es wach ist, ganz bewusst auskosten. Hör auf den Atem. Das Herzklopfen. Die Wärme der Haut. Die tiefe Entspannung der Muskeln im Gesicht und am Körper.
Weißt du noch, wie dein Kind als Baby bei dir auf dem Bauch eingeschlafen ist? Wie es beim Einschlafen langsam immer schwerer wurde und schließlich total entspannt, warm und leise schnaufend auf dir lag? Diese Momente meine ich. Die können übrigens bis in die Pubertät hinein bestehen und jeden Morgen eine Art „Neustart“ bedeuten. Ihr stellt mit der Berührung und dem gemeinsamen Ankommen im Tag eine Verbindung her und erinnert euch an die Liebe zwischen euch.

.Tipp 2: Entspannung mit Kindern durch Freundlichkeit
Falls du jetzt denkst, ich rate dir freundlich zu deinen Kindern zu sein, muss ich dich leider enttäuschen. Das versuchst du schon, wetten? Und oft klappt es nicht und du trittst auf dir herum und fragst dich, warum du es schon wieder nicht schaffst. Nein, nein, ich hätte gerne, dass du extrem und bedingungslos freundlich zu dir selbst bist. Ja, richtig, bedingungslos. Freundlich. Zu dir selbst.
Das ist für uns Erwachsene oft sehr schwierig. Niemand ist so hart zu uns wie wir selbst. Wenn ein Freund so mit uns reden würde, wie wir selbst manchmal mit uns sprechen, würden wir sofort die Freundschaft kündigen. Falls du mir nicht glaubst, dann hör der Stimme in deinem Kopf einfach das nächste Mal zu, wenn du noch unausgeschlafen in den Spiegel schaust.

Du gehst mit deinen Liebsten immer so um wie mit dir selbst. Also ändere den Umgang mit dir, nicht den mit anderen. Das dauert etwas und du musst hartnäckig am Ball bleiben, aber du kannst mit dir einfach so sprechen, wie du mit einem sehr kleinen Kind sprechen würdest. Voller Verständnis und mit Blick auf das Positive. Mit einem Einjährigen würdest du vielleicht so sprechen: „Uuuh, du hast versucht, dir selbst einzuschenken, toll. Ist umgekippt, macht nichts, du versuchst es einfach morgen noch mal.“ Das kann man mit sich selbst auch machen.

Versuch es einmal mit Freundlichkeit zu dir. Nein, versuche es viele Male. Immer wieder.

Sehr wirkungsvoll ist auch die Dankbarkeits-Übung, sie führt sofort zu einem anderen energetischen Zustand und du kannst nicht mehr gestresst sein. Das kannst du abends oder morgens im Bett gerne üben. Wofür in deinem Leben bist du dankbar? Für den vollen Kühlschrank? Das Dach über dem Kopf? Deine warme Decke? Dass du in einem der reichsten und sozialsten Länder der Erde lebst? Dass deine Kinder leben und vielleicht sogar gesund sind? Dass heute sofort ein Parkplatz da war? Dass die Ampel grün wurde, als du es eilig hattest?
Das ist nicht banal, sondern sorgt auf Dauer für eine andere Lebensgrundhaltung und mehr Entspannung mit Kindern.

Ich habe einmal eine Familie beraten, in der den Eltern wirklich nichts einfiel, wofür sie hätten dankbar sein können. In ihren Augen war alles nur anstrengend und schwierig. Der Vater hatte dann die „Hausaufgabe“, jeden Abend drei Dinge aufzuschreiben, für die er dankbar war, seine guten Momente des Tages sozusagen. Es fiel ihm wirklich sehr schwer, oft fiel ihm nichts oder nur eine Sache wie „heute nicht ganz so viel rumgeschrien“ ein. Aber es wurde mit den Wochen besser und er begann, andere Dinge wahrzunehmen und entspannte sich zusehends in sein Leben hinein.


Tipp 3: Entspannung mit Kindern durch bewusste Alltagshandlungen

Falls du Zeit und Lust hast, dich jeden Tag eine halbe Stunde auf ein Meditationskissen zu setzen und die Meditation deiner Wahl durchzuführen, dann tue das auf jeden Fall. Das ist großartig und führt ganz bestimmt zu mehr Präsenz und Entspannung. Das haben jede Menge Studien wissenschaftlich bewiesen.

Falls du das nicht möchtest, nutze die Alltagshandlungen, die du sowieso regelmäßig machst, für mehr Präsenz im Hier und Jetzt. Es geht darum, täglich fünf Minuten Präsenz im Alltag zu üben. Den Autopiloten kurz auszuschalten und das, was in diesem Moment in deinem Leben ist, ganz bewusst wahrzunehmen, möglichst mit allen Sinnen.

Was hörst, siehst, fühlst, riechst du jetzt gerade? Vielleicht hast du schon eine Routine dafür und übst bewusst zu atmen, beim Yoga oder Pilates oder Singen oder Joggen oder was dir sonst Freude und Entspannung bereitet. Es gibt nicht die eine für alle wirksame Methode, du musst die für dich passende herausfinden.


Die Fünf-Minuten-Präsenz

Studien belegen, dass schon fünf Minuten Bewusstheits-Übung pro Tag auf Dauer einen deutlichen Unterschied im Grad der Entspannung machen.

Such‘ dir etwas aus deinem Alltag aus. Wäre es dir morgens lieber oder abends oder mitten am Tag? Es bietet sich an, z. B. die morgendliche Tasse Kaffee bewusst zu nutzen und mit allen Sinnen zu genießen. Die Wärme der Tasse. Den ersten Schluck. Den Dampf, der daraus aufsteigt. Nimm das mit allen Sinnen wahr. Unsere Sinne ziehen uns am ehesten in den Augenblick hinein.
Du kannst auch das morgendliche Duschen oder Zähneputzen für Bewusstheit nutzen. Versuche jeden einzelnen Handgriff bewusst durchzuführen. Und sei sanft mit dir, wenn du es nur einen Handgriff lang schaffst und dein Geist dich sofort wieder woanders hin entführt. Das ist normal und bedeutet nur, dass du ein Mensch bist.

Oder gibt es ein abendliches Ritual, bei dem du Bewusstheit üben möchtest für fünf Minuten? Ein Glas Tee mit deinem Partner? Auch Hausarbeit eignet sich prima dazu, Abwaschen oder Wäsche zusammenlegen zum Beispiel. Egal, was es ist, übe es eine Zeitlang täglich, bei der von dir gewählten Aktion, präsent zu sein. Bleib‘ dabei, bis es eine Gewohnheit geworden ist, die du nicht mehr aufgeben möchtest.

Tipp 4: Entspannung mit Kindern – indem du von ihnen lernst
Ich glaube, dies ist mein Lieblings-Tipp, denn hier profitieren du und deine Kinder gleichzeitig. Weißt du, gerade wenn deine Kinder noch klein sind, brauchst du eigentlich keine andere Art von Entspannung, als dein Kind beim Spiel oder irgendeiner Tätigkeit zu beobachten. Diese Intensität. Dieses Wahrnehmen mit allen Sinnen.

Ich habe neulich in einer der Kitas, in denen ich die Pädagogen berate, aus einiger Entfernung fasziniert ein 3-jähriges Kind dabei beobachtet, wie es ein wissenschaftliches Experiment am Esstisch vornahm. Es nahm mit sehr viel Vorsicht und Zartheit ein Reiskorn von seinem Teller und warf es in seinen Becher mit Mineralwasser. Fasziniert sahen wir beide zu, wie der Reis das Mineralwasser zum Sprudeln brachte. Das Kind war begeistert und schaute sich nach jemandem um, mit dem es diesen Augenblick teilen konnte, strahlte und schaute – aber leider hatte gerade keiner seiner Bezugspersonen Zeit. Es nahm das nächste Reiskorn und warf es in das Wasser und experimentierte vor Freude quietschend mit Variationen. Ich fürchtete, dass nun gleich eine Erzieherin mit den Worten: „Was machst du denn da für eine Sauerei, mit Essen spielt man nicht, ich muss das jetzt alles wieder sauber machen“ um die Ecke kommen würde, aber es war eine gute Kita. Die herankommende Erzieherin sah nicht auf den sauber zu machenden Boden und Tisch, sondern in das Gesicht des Kindes, das über beide Backen strahlte. Sie setzte sich daneben und ließ sich das Experiment erklären und beide teilten die Freude. Dann sagte sie dem Kind, dass es nun Zeit sei zum Aufräumen und ohne jede Gegenwehr holte das Kind den Lappen und wischte voller Elan alles wieder auf. Das Aufwischen passierte mit Freude und ich war sehr froh darüber, dass die kluge Erzieherin sich die eine Minute Zeit zum Teilen der Erfahrung und Freude genommen und damit gleichzeitig den anschließenden „ich will nicht aufräumen“ Kampf vermieden hatte. Sie hatte damit gleichzeitig Zeit und Freude gewonnen.

Überlass‘ in diesem Punkt deinem Kind die Führung. Es kann besser er-leben als du. Zeitdruck, ToDo-Listen und Pläne sind einem Kleinkind noch fremd und es ist zu jeder Zeit für neue Erfahrungen und Entdeckungen bereit.

Entspannung mit Kindern kann zu jeder Zeit stattfinden.

Vielleicht entdeckt dein Kind nach dem Einkaufen in der Ritze zwischen den Gehwegplatten plötzlich einen Marienkäfer und bleibt abrupt stehen, während du, in vollem Fokus auf deine lange ToDo-Liste, mit mehreren vollen Einkaufstaschen fast über dein Kind fällst. Wenn du kannst, vergiss kurz die Tiefkühlkost. Knie dich hin und schaut euch gemeinsam das Wunder dieses Marienkäfers an. Für dein Kind ist das Leben noch ein Wunder und aus meiner Sicht ist eine unserer wichtigsten Aufgaben als Eltern, ihnen diesen Blick fürs Wunderbare zu bewahren.

Jeder dieser Tipps führt zu mehr Entspannung mit Kindern – vielleicht hast du ja Lust, einen davon mal eine Zeitlang auszuprobieren?

Hol dir das Toollkit!

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