Meditationen für Eltern – der Booster für dein Elternsein

dortepflue

Ich erlebe immer wieder, dass ein ganz schönes Begriffsdurcheinander herrscht im Bereich von Achtsamkeit, Meditation & Co., und das macht das Unterfangen nicht einfacher, über Meditationen für Eltern zu sprechen.

Kein Wunder, die Begriffe werden sehr unterschiedlich gebraucht, die Grenzen verschwimmen, es gibt Meditationen verschiedenster Couleur uns wie immer gibt es Gruppierungen von Menschen, die den heiligen Gral, des Pudels Kern UND den Stein der Weisen für sich beanspruchen.

Und während die einen hinter den verschlossenen Türen ihrer Meditationszentren vor sich hin praktizieren und zwar nur in der EINEN, nämlich der aus ihrer Sicht RICHTIGEN Weise, spülen Heeeeeeeerscharen von Coaches, Beratern, Therapeuten und Persönlichkeitsentwicklungs-Gurus geführte Meditationen zu ungefähr jedem Thema über ihre YouTube-Kanäle, Social Media Feeds und Gruppenprogramme auf den Markt.

Im Supermarkt um die Ecke hängt ein Plakat, das zur Feuermeditation einlädt. Wenn du auf Feuer nicht so stehst: Man bekommt auch Atemmediationen angeboten, Sitzmeditationen, Klangmeditationen, Gehmeditationen, Bewegungsmeditati0nen, Naturmeditationen und Was-weiß-ich-für-Meditationen.

Mannmannmann, wie soll man sich denn da zurecht finden…?

Ich versuche mal eine begriffliche Klärung und möchte dir eine grobe Orientierung geben in einem uneinheitlich genutzten Begirffswirrwarr.

  • Was ist Meditation?
  • Und Achtsamkeit? Was hat das mit Meditation zu tun? 
  • Wenn ich meditiere, bin ich dann achtsam?
  • Ist Achtsamkeit eine Meditationsart?
  • Welche Arten der Meditation gibt es?
  • Und warum sollte ich überhaupt irgendwas davon machen?

Und überhaupt: was hat das alles überhaupt mit meinem Elternsein zu tun? Wie klären das.

Meditation – was ist das?

Zunächst mal heißt meditieren vom Wort her:

  • sich nach innen zu wenden, zur Mitte (lat.: medius = mitten, der mittlere)
  • nachzusinnen, sich zu üben (lat.: meditatio = Nachsinnen/Einüben),

Meditation ist ein Instrument der Selbsterforschung und Selbsterkenntnis, das jeder für sich nutzen kann.

Es gibt unterschiedliche Richtungen und Techniken, allen gemeinsam ist die Komponente des Übens, die meditative Versenkung nach innen und der Aspekt der mentalen Fokussierung und Konzentration auf einen Meditationsgegenstand.

Die positiven Wirkungen und die meditative Tiefe sind interessanterweise unabhängig von Tradition und Methode. Das konnte in empirischen Studien zu den Wirkungen von Meditation auf die persönliche Entwicklung und seelische Gesundheit mittlerweile nachgewiesen werden (vgl.: https://katalog.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/titel.cgi?katkey=65716809)

Meditationen für Eltern-3

Achtsamkeit und Meditation

Achtsamkeit, oder englisch Mindfulness, bezeichnet einen Zustand gesammelter Aufmerksamkeit im gegenwärtigen Moment.

Achtsamkeit, so wie wir sie kennen, hat ihre Wurzeln im Buddhismus.

In der buddhistischen Weisheitslehre geht es im Grunde, wie in allen Weisheitstraditionen, um das Erreichen von Weisheit und Erleuchtung. Der Aspekt der Achtsamkeit ist nur eine Facette davon. Dieser Aspekt umfasst die kontinuierliche Bewusstseinsschulung durch kontinuierliches Üben. Nur aus dem ruhigen, geklärten, gesammelten Bewusstsein heraus sind Weisheitseinsichten möglich, so die Überzeugung.

Wenn heute jemand beispielsweise einen der vielen MBSR-Kurse besucht (MBSR = Mindfulness-based Stress-Reduction), dann hat er weder Erleuchtung noch weisheitsvolle Einsichten im Sinn. Die kontemplativen Techniken und Übungen zur Achtsamkeitsschulung werden – losgelöst aus ihrem spirituellen Kontext – weltanschaulich neutral und in diesem Fall mit dem Ziel der Stress-Reduzierung vermittelt.

Den buddhistischen Mönchen ging es jetzt nicht direkt darum, bessere Eltern zu werden. Oder Stress zu reduzieren. Es hat sich jedoch gezeigt, dass das regelmäßige Praktzieren eine ganze Reihe positiver Begleiteffekte hat, wovon Stress-Reduzierung nur eine ist. 

Jon Kabat-Zinn ist sowas wie der Vater einer weltanschaulich neutralen Achtsamkeitspraxis. Er hat Achtsamkeit und Meditation kennen gelernt, deren Potenzial erkannt und hat sie in klinischen Kontexten mit Stresspatienten erprobt. Die Erfolge waren frappierend! Das war der Startschuss für unzählige wissenschaftliche Untersuchung der positiven Begleiteffekte von Achtsamkeit und Meditation, und es hat viele verschiedene Gründe, warum das so dermaßen boomt seither.

Ich meditiere, also bin ich achtsam?

Wenn wir Achtsamkeit praktizieren, dann hat auch das verschiedene Aspekte:

In der Achtsamkeitspraxis

  • üben wir, unseren Geist zu beruhigen und unsere Konzentration auf irgendeine Erscheinung der Welt zu lenken (unseren Atem, einen bestimmten Klang, ein Mantra, einen Gegenstand….)
  • kultivieren wir die Haltungen der Achtsamkeit

Wir unterschieden zwischen formeller und informeller Praxis:

  • Die Übungen, die wir in einem geschützten Raum, zum Beispiel im Sitzen auf dem Stuhl oder auf einem Kissen absolvieren, bezeichnen wir als formelle Praxis. 
  • Wir bemühen uns, die Haltungen der Achtsamkeit in unserem alltäglichen Leben wirksam werden zu lassen und zu kultivieren. Alltägliche Situationen zum Übungsgegenstand zu machen und die Haltungen der Achtsamkeit im Alltag immer wieder wachzurufen, das bezeichnen wir als informelle Praxis.

Vergegegnwärtigen wir uns jetzt noch einmal die Definitionen von Meditation vom Anfang, dann sehen wir, dass unsere Achtsamkeitspraxis zum Teil mit dem Meditieren verbunden ist, nämlich immer dann, wenn wir uns übend versenken, wenn wir bewusst wählen, für eine kleine Weile einen Aspekt der Achtsamkeit im Rahmen einer formellen Übung zu schulen. Viele sprechen dann auch von Achtsamkeitsmeditationen.

Ja, aber bin ich dann nicht immer achtsam, wenn ich meditiere?

Nein, das kann man auch nicht so sagen, denn es gibt auch Meditationsarten, die nicht den Aspekt der Achtsamkeitsübung im Sinn haben.

Wenn du z.B. eine geführte Meditation „für besseres Einschlafen“ machst, dann ist das Ziel hier nicht Aufmerksamkeit und Konzentration oder das Schulen einer der Haltungen der Achtsamkeit, sondern Entspannung und das Stimulieren bestimmter Gehirnwellenmuster.

Lass uns also noch ein paar verwandte Begriffe anschauen und klären.

Meditationen für Eltern-4
Meditationen für Eltern-5

Geführte Meditationen

Es gibt unzählige Facetten von geführten Meditationen, allen gemeinsam ist, dass man sie als eine Art „Reise“ betrachten kann: eine Reise nach innen. Es gibt keine einheitliche Begriffsbestimmung, die Literatur ist da zum Teil recht widersprüchlich. Ich beziehe mich hier auf eine Verwendung der Begrifflichkeiten, wie ich sie in meiner Ausbildung zur systemisch-integrativen Beraterin gelernt habe.

In einer geführten Meditation wirst du durch das Erzählen einer Geschichte bzw. durch Vorschläge zur Imagination mit inneren Bildern in Kontakt gebracht. Dabei können geführte Meditationen unterschiedliche Ziele verfolgen:

  • Entspannung und Regeneration
  • Selbsterkenntnis
  • Bewältigung alltäglicher Herausforderungen
  • Bewältigung psychischer Probleme
  • Erhöhung von Motivation und Leistungsfähigkeit u.a.m.

Wir unterscheiden innerhalb der geführten Meditationen zwischen Phantasie-/Traumreisen und Imaginationen.

Phantasie-/Traumreise

Geschichten und Bilder werden vorgegeben, der Anleitende führt durch die Übung, der Angeleitete bleibt eher passiv.

In der Psychotherapie werden sie zum Aufspüren von innerer Kraft und Weisheit oder in der Traumatherapie zur Schaffung eines sicheren Ortes eingesetzt. Als Entspannungsverfahren wirken sie therapeutisch. Sie werden als Geschichten von einem Sprecher erzählt. Ein tiefer Ruhe- und Erholungszustand wird durch eine entspannte Körperposition (auf dem Rücken liegend mit geschlossenen Augen), die Zuwendung durch den Sprecher sowie die Hinwendung auf die meist als angenehm erlebten Bilder in der eigenen Phantasie erzielt. Durch eine herabgesetzte Muskelspannung kommt es zu einer körperlich-seelischen Entspannung. Der Zuhörer stellt sich innere Bilder zu den Texten vor, in die möglichst viele angenehme Sinneseindrücke eingebaut sind.

(Quelle: Wikipedia.)

Imagination

  • Der Duden weist „imaginär“ als etwas aus, das nur in unserer Einbildung vorhanden ist. Imagination bedeutet demzufolge „Einbildungskraft“ und ist eng verbunden mit unserer Phantasie.
  • Imagination ist mit der Herausforderung verbunden, sich Unbekanntes, nicht Erlebtes, nie Erfahrenes vorzustellen.
  • Untersuchungen zeigen, dass wir in der Lage sind, Kraft der Imagination Informationen aufzuspüren, die außerhalb der Reichweite unseres gewöhnlichen Wahrnehmungsvermögens liegen
  • Beim Imaginieren dürfen innere Bilder spontan entstehen, ebenso wie sich daraus ergebende weitere Flüsse und Veränderungen dieser Bilder. Dem Anleitenden kommt die Funktion des Begleiters […] zu, der jedoch nicht suggestiv in das innere Erleben eingreift (Kirch, D.: Geführte Meditationen. S. 14).

Imaginieren vs. Visualisieren

Visualisieren steht hoch im Kurs, gerade gestern bekam ich eine Werbung bei Facebook für „kostenlose Visualisierungsmeditationen“. Darum möchte ich auch diese beiden Begriffe noch abgrenzend erläutern. 

Imaginieren und Visualisieren sind zwei verschiedene Modi, in die der Angeleitete geführt wird in der Arbeit mit inneren Bildern.

Imaginieren

Wir hatten ja schon von der Imagination als eine Facette der Arbeit mit inneren Bildern gehört. Ein Modus, in den jemand während einer geführten Meditation gehen kann, ist der Modus des Imaginierens. Beim Imaginieren handelt es sich nicht um die Vorstellung von Bildern mit Realitätsgehalt, sondern um etwas, das unserer Phantasie entspringt. Imaginieren bedeutet, sich im Geist etwas auszumalen, von dem man noch kein reales Bild hat.

Visualisieren

Im Grunde visualisieren wir ständig, ob wir wollen oder nicht. Streng genommen gehört das Visualisieren zum optischen Sehen. Wenn  wir visualisieren. erzeugen wir in unserer Vorstellungswelt Bilder. Die vorgestellten Bilder haben Realitätscharakter, wir visualisieren Bilder einer vorgestellten Realität. Untersuchungen zeigen, dass Menschen meistens negativ visualisieren, d.h. dass sie ihren Geist und ihre Vorstellungskraft auf Negatives, auf Befürchtetes ausrichten. Es ist Teil der gegenwärtigen Coaching-Bewegung, diesen negativen Fokus zu verändern, um positive Dinge visualisieren zu können.

Die Übergänge zwischen den Formen geführter Meditationen und damit verbunden auch die Übergänge zwischen den Bewusstseinsmodi des Angeleiteten sind zum Teil fließend, ein uns dieselbe geführte Meditation kann imaginative Elemente und Visualisierungselemente enthalten.

Meditationen für Eltern?

Als grober Überblick mag die vorgenommene begriffliche Differenzierung reichen, auch wenn es noch eine ganze Reihe anderer Begriffe gibt.

In meiner Arbeit vermittele ich eine familienbezogene Achtsamkeitspraxis und zeige Eltern, wie sie Achtsamkeit praktizieren und in ihren Familienalltag integrieren können.

Ich vermittele also formelle und informelle Achtsamkeitsübungen in Form von Meditationen und Achtsamkeitsimpulsen zur Umsetzung im Alltag.

Davon kannst du als Mutter oder Vater irre profitieren, denn die Haltungen der Achtsamkeit zu kultivieren und zwar mit direkter Verbindung zu den für ein gelingendes und leichtes Elternsein wichtigen Elternqualitäten, das ist ein echter Booster für deine Elternidentität.

Je nach Kontext verwende ich auch zum Teil geführte Meditationen bspw. zur Stress-Reduktionn und Entspannung. Sie können auch hilfreich sein, um bestimmte Gefühlsqualitäten zu erforschen, sich in Mehrperspektivität zu üben oder die eigenen Werte zu erforschen.

Ich kreiere meine geführten Meditationen gerne auch so, dass es einen kleinen Mindshift verursacht, eine Art Bewusstseinsstretching für verklebte Denkmuster.

Wenn du zu den Haltungen der Achtsamkeit und den Elternqualitäten mehr wissen willst, dann schau gerne bei den entsprechenden Artikeln vorbei:

Elternqualitäten: Die Haltungen der Achtsamkeit – Teil 1

Elternqualitäten: Die Haltungen der Achtsamkeit – Teil 2 

Falls du keine Zeit und Lust hast, die Artikel zu lesen:

Eltern profitieren von Achtsamkeit und Meditation in vielfacher Weise:

  • Stress-Reduktion
  • Mehr Gelassenheit im Umgang mit den Kindern
  • Mehr innere Sicherheit und stabilere Elternidentität
  • Vertiefung der Beziehungen innerhalb der Familie
  • Verbesserung des Familienklimas
  • Authentische und kompetente Begleitung der Kinder durch alle Herausforderungen des Kindseins
  • Sicherer und stabiler Umgang mit schwierigen Gefühlen
  • Mehr Fokus und Klarheit in der Alltagsorganisation
  • Fähigkeit, eine gute Balance zu finden
  • Steigerung von Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit und Resilienz

Na, wenn das mal nix ist!

Ich freue mich, wenn du erste kleine Schritte in Richtung „Mindful Parenting“ unternimmst. Du hast verschiedene Möglichkeiten:

Abonniere gerne unsere wöchentlichen Mindful Family Impulse und erhalte regelmäßige kleine Impulse und Reminder für mehr Achtsamkeit im Elternsein und in der Familie.

Hol dir unser kostenloses Toolkit für mehr Gelassenheit als Eltern.

Vielleicht ist auch der Einführungskurs „Mindful Parent“ etwas für dich.

Ich freue mich, dass du hier bist. Ich freue mich noch mehr, wenn du auf dem Weg bleibst und die beste Version von dir als Mutter oder Vater zur Entfaltung bringst. Lass uns gemeinsam die Welt zu einem besseren Ort für Kinder machen.

Und da sind wir Eltern gefragt.

Von Herzen

Dorte.

Könnte dir auch gefallen

Hinterlasse einen Kommentar

0 Kommentare

Trackbacks/Pingbacks

  1. Elternqualitäten: die 9 Haltungen der Achtsamkeit - Teil 1 | mindfam - […] 6 Merkmale resilienter Familien Unser Alltag ist ihre Kindheit – 10 Tipps für ein... Meditationen für Eltern – Wie…

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

"Familie ist im besten Fall der liebevolle Ort, an dem Kinder leise in die Welt hineinschwingen und frei einem eigenen Lebensentwurf entgegenleben können."

Dorte Plfüger