Vor dem Sturm

 

Der Sturm rauscht heran, und mit ihm alles Stürmische in mir.

Man hört es in der Ferne schon rumoren.

Schuppen und Garagen klappern warnend mit den Toren.

Plötzlich lagert Spannung auch vor meiner Tür.

 

Burgen fallen, aus Sand, die für die Ewigkeit nicht taugen.

Menschen bringen sich und all ihr Gut in Sicherheit.

Fensterläden schlottern: „Der Sturm ist nicht mehr weit“.

Häuser schließen angstvoll ihre Augen.

 

Spätfliehende und all‘ die Regenmassen

peitscht er vor sich her, dieser wachsende Wind,

stiehlt die Mütze einem weinenden Kind.

Und: „Markt und Straßen stehn verlassen…“

 

Der Sturm

 

Achtlos schleudert er so dies und das herum,

als ob er Sterbenslangeweile hätte.

Blätter inszenieren ekstatische Ballette.

Wogende Hecken sitzen heut im Publikum.

 

Wild reißt der Sturm an meinen Haaren,

brüllt sich hoch hinauf, schlägt mir fauchend ans Ohr.

Erinnerungskaskaden zerrt er roh hervor

an Dinge, die vor 1000 Stürmen waren.

 

Ich schaue auf gebrochene Äste

Und fühle all das Brüchige in mir.

Fürchtest du den Sturm, was fürchtest du in dir?

Zerzaustheiten des Herzens sind meine Gäste.

 

Nach dem Sturm

 

Häuser heben zaghaft ihre Lider.

Ein Buchsbaumgarten sortiert sich die Frisur.

Erschöpft hält sich ein Drachen die abgeriss‘ne Schnur.

Verwirrte Straßen füllen sich mit Leben wieder.

 

Die uralten Kastanien nicken sich unbeeindruckt zu.

Schütteln letzte Winde aus mächtigen Kronen.

Ein Wolkenheer, das rote Lichter bewohnen,

legt majestätisch sich am Horizont zur Ruh.

 

Es bricht, wie Licht jetzt auf die Wälder fällt,

die Ruhe nach dem Sturm groß über mich herein.

Moment der Muße. Mild und mein.

Ausatmen, tief, in die Stille hinein.

Vor meinem Fenster feiert frisch gewaschene Welt. 

 

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