Unser Alltag ist ihre Kindheit – 10 Tipps für ein entspanntes Familienklima
By dortepflue
Entspanntes-Familienklima

Es gibt Familien, wenn du bei denen zu Besuch bist, dann schwappt dir schon beim Öffnen der Haustür ein entspanntes Familienklima in Form einer Welle von Freundlichkeit, Herzlichkeit und guter Laune entgegen und du fühlst dich willkommen. Andere Familien verströmen eine Aura von „lassmichbloßinruhe“ und „wirhabenfreudlosigkeitgewählt“, die einem selbst über deren akribisch vermessenen Gartenzaun hinweg entgegenwabert. Wieder andere sind umgeben von einer Wolke aus Mecker-Stress-Rechthabenwollen-Gereiztheit, selbst wenn sie auf dem Wendehammer im Neubaugebiet stehen, entspannt wirken wollen und in 15-sekündigen Abständen Lasse-Johann maßregeln, der steif wie Stangenspargel, angesichts der Dauerbeobachtung auf seinem unglaublich verkehrssicheren Fahrrad seine Runden zieht.

Auch Kinder nehmen das wahr. Mein Sohn hat Freunde, bei denen er total gern übernachtet, „weil’s da so chillig ist“ und andere, wo er nicht so gern hinfährt, obwohl er seinen Freund richtig gern hat, weil da „so eine komische Atmo is‘“.

Treffer mit der Atmo: Untersuchungen von Lebensverläufen in der Biographieforschung zeigen, dass die Grundatmosphäre, die in einer Familie vorherrscht, einen wahnsinnig hohen Einfluss darauf hat, wie sich die einzelnen Familienmitglieder entwickeln können (das gilt auch für die Erwachsenen, just sayin‘…)

Bedeutender als die Erinnerungen daran, was man als Familie GEMACHT hat, sind die Erinnerungen daran, wie man sich in seiner Familie GEFÜHLT hat.

Unser Alltag ist ihre Kindheit !?!

Jede Familie hat also eine ganz eigene Familienatmosphäre, eine Grundstimmung, die in dieser Familie vorherrscht. Den Familien selbst ist das oft nicht bewusst. Es wird oft erst dann zum Thema, wenn das Familienklima so belastet oder vergiftet ist, dass es knallt. Bis zu einem gewissen Grad neigen Familien dazu, sich mit schlechter Stimmung, chronisch tief hängenden Gewitterwolken im Familienwohnzimmer, Beziehungslosigkeit und fehlender „quality time“ zu arrangieren.

Was wäre, wenn es in deiner Familie jeden Tag darum ginge, den Alltag so zu gestalten, dass das Familienklima von Leichtigkeit, Zufriedenheit und Gelassenheit geprägt ist? Was wäre, wenn es darum ginge, Familie so zu leben, dass deine Kinder sich gerne daran erinnern, wie sie sich GEFÜHLT haben in ihrer Familie, der Homebase, von der aus sie in die Welt aufbrechen? 

Vielleicht kennst du das ja selbst: Wie du dich als Kind in deiner Familie gefühlt hast, wie es um die Atmosphäre in deiner Familie bestellt war, das ist auch in deinem Erwachsenenleben noch mit dem ersten Satz eines Telefonats mit deinem Vater/deiner Mutter oder beim Öffnen der Haustür beim Familienbesuch in Sekundenbruchteilen voll und ganz präsent. Wir sind Teil unserer Familiensysteme, ob sie gut waren oder weniger gut…
Nichts prägt uns für unseren weiteren Lebensweg so sehr, wie die regelmäßigen „Software-Updates“, die wir im Klima unserer Herkunfstfamilien erhalten haben. Als Erwachsene haben wir die Freiheit und den Gestaltungsrahmen, uns damit auseinanderzusetzen.

Du hast es in der Hand, welche Geschichten deine Kinder als Erwachsene von ihrer Kindheit und ihrer Familie erzählen werden. In dem Alltag, den du heute mit deinen Kindern gestaltest, entfaltet sich genau jene Feldqualität, an die deine Kinder als Erwachsene entweder gerne andocken oder von der sie sich belastet fühlen. 

Sich zu einem liebevollen Feld zugehörig zu fühlen, ist eine Basis, die durch das gesamte Leben trägt. Dafür braucht es ein entspanntes Familienklima.
Wie eine nährende, gesunde und helle Familienatmosphäre entstehen kann?

Dafür braucht es Achtsamkeit, Präsenz, Empathie, Positivität, Toleranz und Liebe, ganz viel Liebe.

Unser-Alltag-ist-ihre-Kindheit

Familienklima: Wer kreiert’s?

Ein entspanntes Familienklima fällt nicht vom Himmel, und ein gereiztes Familienklima ist kein Schicksalsschlag:

Das, was in deinem Leben ist, ist das Ergebnis deiner Entscheidungen, deines Verhaltens und deiner dich leitenden Überzeugungen der letzten 12 Monate. Für den Lebensverbund „Familie“ gilt das auch, allerdings haben wir es hier mit einer Art Gemeinschaftsprojekt zu tun, einem Wir-Prozess, denn alle Familienmitglieder sind Teil des Feldes. Jeder und jede taucht ein in die gemeinsam kreierte Atmosphäre und kreiert sie immer wieder mit.

Ein bisschen wie ein großes Wasserbecken, in das jeder Wasser gießt. Wenn alle schmodderiges Matschwasser hineingießen, ist in dem Becken schmodderiges Matschwasser. Wenn alle kristallklares, bergseereines Quellwasser hineingießen, ist das ganze Wasserbecken hell und rein und klar. Und dann gibt es dazwischen unzählige Schmodder- und Klarheitsgrade. Ok, ok, ich gebe zu, das Bild ist jetzt nicht besonders poetisch, aber ich denke, du kriegst den Punkt. Als Erwachsene sind wir die Hüter der Wasserqualität, wenn man so will. Wir können zu 100% Verantwortung für unseren eigenen Wassereimer übernehmen und wir können Rahmenbedingungen schaffen, die eine gute Wasserqualität im Familienklima-Wasserbecken begünstigen.

Kinder sind von Natur aus kooperativ, sie wollen einen Beitrag leisten und „dazu gehören“. In ein gesundes Familienklima hinein können sie sich entspannen, sie spüren mit seismographischer Genauigkeit und Sensibilität, wenn es Verwerfungen gibt und sind überaus sensibel für die Stimmungen in der Familie.

Leider erlebe ich immer wieder, dass Eltern, wenn das Familienleben sehr konfliktreich ist, den „Fehler“ im System bei den Kindern verorten. In den allermeisten Fällen ist es aber so, dass „schlechtes“ Verhalten von Kindern ein Signal ist. Wenn Kinder sich „schlecht“ verhalten, dann zeigen sie in der Regel damit, dass es ihnen nicht gut geht. Ein chronisch vergiftetes oder unbeseeltes Familienleben kann eine Ursache sein. (Natürlich können auch Faktoren aus Kita, Schule, Sportverein, Freundeskreis etc. eine Rolle spielen, aber hier geht es halt um das Familienklima.)

Wichtig ist, dass wir als Eltern bereit sind, bei uns selbst anzufangen und uns zu fragen, was unser Beitrag zu einem entspannten Familienklima ist. Weglassen, was schwächt und das Wasser schmodderig macht, mehr von dem machen, was stärkt und das Wasser klärt, so geht’s. Wenn das so einfach wäre, murmelst du vor dich hin? Nicht verzagen: Ich gebe dir gerne ein paar Hinweis, wie du die Rahmenbedingungen für ein entspanntes Familienklima schaffen kannst.

10 Tipps für ein entspanntes Familienklima

1. Klarer Fokus – Entscheide dich bewusst für ein entspanntes Familienklima

Alle beginnt mit einer Wahl. Die Voraussetzung ist natürlich, dass du selbst es wichtig findest, dass in deiner Familie ein entspanntes Familienklima herrscht. Wenn du das für wichtig und richtig befunden hast, dann triff eine glasklare Wahl. Eine gut gesetzte Intention ist wie ein Segel, das wir setzen, um das Schiff auf Kurs zu bringen.

2. Entschleunigung – Betreibe Hardcore-Termin-Decluttering

Hektik ist Gift für ein entspanntes Familienklima. Leider scheint es so etwas wie einen geheimen „Mann-sind-wir-aktiv“-Contest unter Eltern zu geben. Aktiv zu sein und durch den Tag zu hasten wie die Schlümpfe, wenn Gargamel kommt, das ist nicht dasselbe. Wenn die Felder im Familienkalender nicht mehr ausreichen, um alles zu notieren, dann läuft was schief. Mit Blick auf ein gutes Familienklima heißt die Devise: Weniger ist mehr. Kann auch nicht schaden, wenn mal eine kleine Termin-Lücke entsteht.

3. Rhythmisierung und Rituale – Gib dem Familienalltag eine gesunde Struktur

Das schließt an den vorherigen Punkt direkt an. Versuche, terminreiche Phasen und Phasen der Rekreation in ein sinnvolles Gleichgewicht zu bringen. Plane bewusst Pausen ein. Und unbedingt: Pufferzeiten. Wenn die Tochter um 13:30h in der Schule fertig ist und um 15h beim Reiten sein muss, dann ist Einkaufen und Kieferorthopäde dazwischen zu quetschen keine gute Idee. Sorge für deine Kinder und für dich selbst für Momente des Durchatmens.

4. „Quality Time“ – Schaffe Raum für qualitätsvolle gemeinsame Zeit.

Ergebnis des Declutterings und der Rhythmisierung: Es entstehen kleine, kostbare, freie Räume. Die sollten heilig sein und geschützt werden, damit sie nicht sofort wieder mit allem anderen zuwachsen. Diese Räume können gefüllt werden mit „einfach beieinander sein“. Mein Sohn fand es eine Zeit lang total gemütlich, wenn wir nachmittags einfach beide eine Weile auf dem Sofa herumlungerten, jeder in seiner Ecke und jeder in seinem Buch schmökernd. Und nicht selten entstanden in genau dieser Zeit die innigsten Gespräche. Ein Zeichen für ein entspanntes Familienklima.

5. Medienfreie Inseln – Sorge dafür, dass es störungsfreie Begegnungsräume gibt

Handy und Co. gehören zum Leben. Die meisten von uns arbeiten an PCs und haben Apps Mail-Clients und alles mögliche Wichtige auf unseren Smartphones. Für das Familienklima ist es immens zuträglich, wenn es Zeitfenster und Begegnungsräume gibt, die von allen Beteiligten als medienfrei akzeptiert werden. Bei uns sind das auf jeden Fall die Mahlzeiten und Zeiten, in denen es etwas zu besprechen gibt. Auch auf gemeinsamen Ausflügen besprechen wir das vorher kurz, wie wir es handhaben. Je nach Alter der Kinder empfehle ich dir, da wirklich etwas Zeit und Muße zu investieren, gute Regelungen zu finden.

6. Achtsame Kommunikation – Übe eine Kultur des Zuhörens und Nicht-Wertens

Ein entspanntes Familienklima ist unmöglich, wenn einzelne oder im blödesten Fall alle sich nicht gesehen und gehört fühlen. Das entsteht aber ziemlich schnell, dieses Gefühl, nämlich beispielsweise, wenn bei Unterhaltungen die Smartphones ständig angeschielt werden, oder wenn man sich gegenseitig nicht richtig zuhört, ins Wort fällt und nicht wertschätzend und freundlich kommuniziert. Dass das nicht durchgängig gelingt, sich einer achtsamen Kommunikation zu befleißigen, ist klar, aber das Commitment, sich darum zu bemühen, ist wichtig. Es braucht Übung. Und manchmal auch Anleitung.

7. Perfektionismus loslassen – Überprüfe deine Erwartungen an dich und andere.

Wenn Eltern nie zufrieden sind mit dem, was ihre Kinder schon können, wie sie sich einbringen, was sie leisten und wie sie sind, dann entsteht eine Atmosphäre der Freudlosigkeit und der chronischen Frustration. Das ist nicht der Nährboden, auf dem ein schönes, freies, leichtes Klima entsteht (mal abgesehen davon, dass es nicht eben zuträglich ist für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls.) Und was wir als Eltern oft auch gut drauf haben, ist der hohe Anspruch an uns selbst. Und wenn wir daran scheitern und uns damit nicht entspannen können, belastet unser eigener innerer Unmut darüber nachhaltig die Familienatmosphäre.

8. Gleichwürdigkeit – Respektiere die unterschiedlichen Bedürfnisse in der Familie.

Nicht alle haben dieselben Rechte in einer Familie (Eltern haben andere Rechte als Kinder, ältere Geschwister haben andere Rechte als jüngere Geschwister), aber die Bedürfnisse aller Familienmitglieder sind gleich wichtig. Das ist gemeint mit dem Wert der Gleichwürdigkeit, den der wunderbare dänische Familientherapeut Jesper Juul immer wieder postuliert hat. Wenn dieser Wert gelebt wird, dann können sich viele kleine, sonst unter der Oberfläche brodelnden Kämpfe und Konflikte entspannen. Denn dann wissen alle Beteiligten, dass sie sich nicht anstrengen müssen, um ihre Bedürfnisse gegen die anderer zu verteidigen. Einen kleinen Videoimpuls zum Thema „Dein Kind ist Experte seiner Bedürfnisse“ findest du hier.

9. Positivität – Lenke den Fokus auf das, was GUT ist. Immer.

Think positive! So banal, so wichtig. Und wirkt sich unmittelbar auf ein entspanntes Familienklima aus. Wenn auf dem Weg in den Urlaub einer auf den vorderen Sitzen unkt: „Ach, hoffentlich ist die Ferienwohnung diesmal nicht so eng“, oder wenn beim Spaziergang ein Wanderrucksack, dessen Volumen ein Dreimannzelt fassen würde, mitgeführt werden muss, weil das Kind sich verletzen, ein Bienenschwarm-Überfall erfolgen, eine Spontanunterzuckerung und -dehydration eintreten, schlechtes Wetter kommen oder der Himmel allen auf den Kopf fallen könnte, ja, dann bist du toll gegen alle Eventualitäten gewappnet. Für ein entspanntes Familienklima sorgt es aber nicht.

10. Dankbarkeit – Sei dankbar für die Geschenke, die dir dein Familienleben macht.

Dankbar sein. Einfach aus tiefstem Herzen dankbar sein. Dafür, dass man sich gegenseitig hat. Dafür, dass man am Leben und gesund ist. Dafür, wenn das Kind die Ärmchen um einen schlingt und sich wohl fühlt. Dafür, dass man den Weg seiner Kinder begleiten darf. Das ist es. Ein Familienklima, das von Dankbarkeit durchtränkt ist, ist ein so, so durch und durch wohltuendes Lebensumfeld. Schenke es dir und deinen Kindern.

Entspanntes Familienklima
Entspanntes Familienklima
Entspanntes Familienklima

Das sind jetzt ganz schön viele Aspekte, und ich wünsche dir gutes Gelingen und viel Freude beim Ausprobieren.

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  1. Wie wir als Eltern auf der "richtigen" Frequenz funken | mindfam - […] eine grosse Kunst und ein kleiner Leitf... Achtsam Eltern sein: Was Achtsamkeit Familien bringt Unser Alltag ist ihre Kindheit…

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